Ex-Chefredakteur rechnet ab: Böse Heuschrecken, gute Verleger? Alles Heuchelei!

Die deutschen Verleger agieren oft rücksichtsloser auf Kosten der Qualität der Presse als internationale Finanzinvestoren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des ehemaligen Chefredakteurs der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz.

Wolfgang Storz

Nach Auffassung von Storz entpuppt sich David Montgomery, der für sein Vorgehen bei der Berliner Zeitung heftig gescholtene und nun gescheiterte Investor, als nützlicher Idiot der Verleger. „Weil er in allem ein bischen marktradikaler war, ein bisschen maßloser, dient der große böse Bube als vorzügliches Versteck für die anderen. Nun kann sich die Heuchelei verziehen und siehe da: Alle deutschen Verleger sparen seit Jahren. Für Synergien lassen sie bis in den letzten Winkel kriechen.“

Storz, der die Rundschau von 2002 bis 2006 journalistisch leitete, verweist auf den Einsatz von Unternehmensberatungen wie der Schickler-Gruppe oder die Zusammenlegung der Wirtschaftsredaktionen bei Gruner+Jahr. „Die deutschen Verleger machen schon früher und meist radikaler, als David Montgomery und sein Statthalter es in Berlin je wagten.“ Meinungsvielfalt sei für sie kein Thema.

Scharf geht er mit dem Journalismus in der Reflektion der Medienprozesse auseinander. „Die Verleger deformieren den Journalismus, und ihnen wird dabei geholfen.“ Nach seiner Auffassung markieren solche Symbole wie die Kündigung der dpa bei der WAZ oder Personalfragen diese Deformierung.

Der komplette Beitrag „Journalismus unterm Messer“ ist bei der taz am 07.02.2009 erschienen.

10. Februar 2009